3. Februar 2022 / Aus aller Welt

20 Tote nach dem Konsum von gepanschtem Kokain

Für fast zwei Dutzend Menschen endet der Rausch tödlich. Ihr Stoff wurde schlecht gestreckt oder vergiftet. Wurde er versehentlich oder absichtlich manipuliert? Die Ermittlungen laufen.

Päckchen mit Drogen.

Nach dem Konsum von gepanschtem Kokain sind in Argentinien mindestens 20 Menschen gestorben. 49 weitere Drogenkonsumenten seien mit zum Teil schweren Vergiftungserscheinungen ins Krankenhaus gebracht worden, berichtete die staatliche Nachrichtenagentur Télam am Donnerstag.

Die Zahl der Toten könne noch steigen, hieß es aus Kreisen der Ermittler.

«So etwas haben wir noch nie erlebt», sagte ein Beamter der Zeitung «La Nación». «Die Zahl der Patienten nimmt ständig zu. Immer mehr Personen in einem ernsten Gesundheitszustand werden in die Krankenhäuser gebracht. Außerdem gibt es Hinweise, dass Menschen auf der Straße und zu Hause sterben, aber die Zahl ist noch nicht bekannt.»

Acht Verdächtige festgenommen

Viele Opfer hatten das Kokain offenbar beim selben Dealer in dem Armenviertel Puerta 8 nordwestlich der argentinischen Hauptstadt Buenos Aires gekauft. Die Polizei konnte Reste der Drogen in einer Tüte und an einem Geldschein sicherstellen. Die ersten Ermittlungen deuteten darauf hin, dass ein konkurrierender Rauschgifthändler die Drogen vergiftet hatte, um den Rivalen aus dem Geschäft zu drängen. Bei Razzien wurden acht Verdächtige festgenommen und 15.000 Dosen Kokain beschlagnahmt.

Der Sicherheitsminister der Provinz Buenos Aires, Sergio Berni, rief alle Konsumenten dazu auf, die in den vergangenen 24 Stunden gekauften Drogen nicht zu konsumieren. «Dem Kokain wurden Substanzen zugesetzt, um mehr Volumen zu schaffen und manchmal sind diese Substanzen sehr giftig», sagte Berni während eines Polizeieinsatzes.

Eine zweite Hypothese lautete, dass die Opfer statt Kokain das Opiat Fentanyl konsumiert hatten. Die Droge gilt als deutlich stärker als Heroin und kann schon in geringen Dosen tödlich wirken. Fentanyl ist ein Treiber der Opioid-Krise in den USA mit Zehntausenden Toten pro Jahr.

Das Gesundheitsministerium der Provinz Buenos Aires versetzte die Kliniken in mehreren Vororten der Hauptstadt wegen möglicher Opiat-Vergiftungen in Alarmbereitschaft. Zahlreiche Patienten seien mit Anzeichen von Schock, Atembeschwerden und psychomotorischen Problemen in die Krankenhäuser gebracht worden, hieß es.

Vor den Kliniken der Region spielten sich dramatische Szenen ab. Angehörige fuhren vor der Notaufnahme vor und schleppten einen kollabierten Mann in das Krankenhaus Bocalandro in der Ortschaft Tres de Febrero, wie im Fernsehen zu sehen war. 21 Patienten mussten nach offiziellen Angaben künstlich beatmet werden.

«Meinem Sohn geht es sehr schlecht - er ist auf der Intensivstation», sagte eine Frau im Fernsehen. «Ich fand ihn in der Küche, ich wollte das Licht ausmachen und da lag er auf dem Boden, er konnte nicht sprechen. Es war schrecklich, ich habe den Krankenwagen gerufen, aber es hat eine halbe Stunde gedauert, bis er kam.»

Polizeiwagen angegriffen

Nach den Festnahmen mutmaßlicher Drogenhändler protestierten Angehörige vor dem Eingang zum Armenviertel Puerto 8. «Wir wissen alle, dass die Polizei hier jede Woche Schutzgeld von den Dealern kassiert», sagte eine Frau, deren Bruder und Neffe festgenommen worden waren, im Fernsehsender TN. Vor einem Krankenhaus in der Region griffen Jugendliche ein Polizeiauto an.

Sicherheitsminister Sergio Berni, räumte ein, dass auch Beamte in den Drogenhandel involviert sind. «Jeden Tag nehmen wir Polizisten wegen Verbindungen zum Drogenhandel fest», sagte er am Donnerstag in einem Radio-Interview.

Zwar leidet Argentinien im Vergleich zu anderen Ländern Lateinamerikas nicht unter massiven Auseinandersetzungen zwischen den großen Drogenkartellen. Lokale Clans ringen in den Armenvierteln im Umland der Metropolen aber durchaus mit harten Bandagen um Geschäftsfelder und Einflusszonen. Vor wenigen Tagen wurden in Rosario ein Ehepaar und seine einjährige Tochter nach einer Hochzeit im Drogenmilieu getötet. Die Angreifer stoppten das Fahrzeug der mutmaßlichen Dealer und gaben 20 Schüsse auf den Audi TT ab.


Bildnachweis: © Elian Obregon/telam/dpa
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