22. März 2022 / Aus aller Welt

Beispiellos hohe Temperaturen im Osten der Antarktis

Die Forscher sprechen von einem historischen Ereignis: Im Osten der Antarktis ist es momentan ungewöhnlich warm. Grund dafür ist ein «atmosphärischer Fluss».

Minus 12 Grad an der Forschungsstation Concordia: Im Osten der Antarktis herrschen zur Zeit vergleichsweise hohe Temperaturen.

Der Osten der Antarktis erlebt nach Angaben der Weltwetterorganisation (WMO) zur Zeit eine «außergewöhnliche und beispiellose Hitze». Am 18. März seien an der Forschungsstation Concordia minus 12,2 Grad gemessen worden.

Das sei 40 Grad wärmer als für diese Region im Schnitt um diese Jahreszeit üblich, und 20 Grad mehr als der vorherige Rekord im März, berichtete die WMO am Dienstag in Genf. Die Station wird seit 2005 von Italien und Frankreich betriebenen und liegt auf einem gut 3200 Meter hohen Plateau.

An der Station Wostok wurden minus 17,7 Grad gemessen, ebenfalls ein Wärmerekord. Wostok hält den Rekord für die kälteste je gemessene Temperatur: Dort wurden im Juli 1983 nach WMO-Angaben minus 89,2 Grad gemessen.

Die ganze Region gilt als trockenste, windigste und kälteste Region der Welt. Grund für die beispiellosen Temperaturen sei ein «atmosphärischer Fluss», erklärten französische Meteorologen. Als atmosphärischer Fluss wird ein Band mit feuchtigkeitsgesättigter Luft ein paar Kilometer über der Erdoberfläche bezeichnet, der Wärme und Feuchtigkeit transportiert.

«Mit diesem Ereignis müssen die Rekordbücher und unsere Erwartungen, was in der Antarktis möglich ist, neu geschrieben werden», twitterte Robert Rhode vom Umweltdateninstitut Berkley Earth. «Handelt es sich einfach nur um ein äußerst unwahrscheinliches Ereignis, oder ist es ein Zeichen dafür, dass noch mehr passieren wird? Im Moment weiß das niemand.»

Das Meereis in der Antarktis rund um den Südpol war in der Sommerschmelze im Februar nach WMO-Angaben schon so weit zurückgegangen wie nie zuvor seit Beginn der Satellitenmessungen 1979. Die Fläche fiel erstmals unter zwei Millionen Quadratkilometer. Auch in Teilen der Arktis am Nordpol würden zur Zeit außergewöhnlich hohe Temperaturen gemessen, sagte die WMO-Sprecherin. Die Temperaturen in der Arktis sind durch den menschengemachten Klimawandel schon mehr als doppelt so stark gestiegen wie im globalen Durchschnittswert.

Erst im Dezember hatte die WMO einen Temperaturrekord in Werchojansk (Sibirien) von 38 Grad anerkannt. Er wurde am 20. Juni 2020 gemessen. Auch in der Antarktis wurde 2020 ein Rekord gemessen: 18,3 Grad.


Bildnachweis: © S. Thoolen/ESA/IPEV/PNRA/dpa
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