27. August 2021 / Aus aller Welt

Biontech will Impfstoffe in Ruanda und Senegal herstellen

Impfdosen für die Länder Afrikas kommen fast immer von anderen Kontinenten. Dass eigene Produktionsstätten nötig sind, zeigte sich auch in der Corona-Krise. Biontech will nun reagieren.

Der Impfstoffhersteller Biontech will Malaria- und Tuberkulose-Impfstoffe in Afrika herstellen.

Der Impfstoffhersteller Biontech will Malaria- und Tuberkulose-Impfstoffe in Afrika herstellen. Man prüfe dazu den Aufbau nachhaltiger Produktionsmöglichkeiten in Ruanda und Senegal, teilte das Mainzer Unternehmen am Freitag in Berlin mit.

«Unser Ziel ist es, in Afrika Impfstoffe zu entwickeln und nachhaltige Produktionskapazitäten für Impfstoffe aufzubauen, um gemeinsam die medizinische Versorgung zu verbessern», sagte Vorstandschef Ugur Sahin.

Biontechs Technologie könnte auch über Covid-19 hinaus angewandt werden, erklärte Sahin. Biontech arbeitet schon an Impfstoffen gegen Tuberkulose, Malaria und HIV. «Es gibt keine Garantie, dass diese Projekte erfolgreich sein werden», schränkte Sahin ein. «Aber wir müssen auf Erfolg vorbereitet sein.» Mit der Errichtung der ersten Produktionsanlagen solle im Laufe des nächsten Jahres begonnen werden.

Sahin äußerte sich nach einem Treffen mit den Präsidenten von Ruanda und Senegal, Paul Kagame und Macky Sall, sowie EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen am Rande der Wirtschaftskonferenz «G20 Compact with Africa».

Import könnte reduziert werden

Die Länder der Afrikanischen Union importierten nach Angaben der Gemeinschaft zuletzt 99 Prozent ihrer Impfstoffe. 2040 sollen es nur noch 40 Prozent sein. In der Corona-Krise hatte die Afrikanische Union erst im Juli gefordert, dass Europa mehr tun müsse, um die globalen Ungerechtigkeiten bei der Impfstoffverteilung aufzuheben.

Kagame sprach von einem glücklichen Moment, er freue sich auf die Zusammenarbeit mit Biontech. Afrika wolle die Corona-Pandemie bekämpfen, sagte Sall. Die Seuche dürfe sich dort nicht dauerhaft ausbreiten. «Das würde all unsere Entwicklungsbemühungen zunichte machen.» Sein Land werde Know-how-Transfer durch Biontech absichern.

Die Entscheidung für Ruanda und Senegal folge Empfehlungen der Afrikanischen Union und ihrer Gesundheitsorganisation, hieß es. Die Produktionsstätten würden voraussichtlich bei Impfstoffzentren der Weltgesundheitsorganisation angesiedelt, die in den Länder geplant sind. Seinen Covid-19-Impfstoff könne Biontech grundsätzlich auch in den Anlagen vor Ort herstellen, teilte die Kommission mit.

Biontech produziert mRNA-Impfstoffe. Diese enthalten den Bauplan für einen Teil des Erregers, der Körper kann so einen Impfschutz aufbauen. Die Technologie habe ein riesiges Potential, auch andere Krankheiten als Covid-19 zu bekämpfen, sagte von der Leyen. Sie sprach von einem großen Schritt in Richtung «Impfstoffgerechtigkeit». Europa investiere für dieses Ziel mehr als eine Milliarde Euro.

Die Europäische Investitionsbank wolle auch für die Projekte in Senegal und Ruanda finanzielle Unterstützung anbieten, kündigte ihr Präsident Werner Hoyer an. Nur mit mehr lokaler Produktion könne Covid-19 überwunden werden und die Länder widerstandsfähiger gegen künftige Pandemien.


Bildnachweis: © Kay Nietfeld/dpa
Copyright 2021, dpa (www.dpa.de). Alle Rechte vorbehalten

Meistgelesene Artikel

Mehr als sechs Jahre Gefängnis nach tödlichem Raserunfall
Aus aller Welt

Dem Autofahrer konnte es nicht schnell genug gehen. Auf bis zu Tempo 200 beschleunigte er und kam ins Schleudern. Die entgegenkommende Autofahrerin starb. Nun hatten die Richter das Wort.

weiterlesen...
Fünf Frauen mit Auszeichnung «Goldene Bild der Frau» geehrt
Aus aller Welt

Sie setzen sich ehrenamtlich für Menschen ein, die Hilfe brauchen oder achten auf Nachhaltigkeit. Nun bekommen Frauen auf einer Gala dafür Auszeichnungen und viel Aufmerksamkeit für ihre Projekte.

weiterlesen...
Getötete Prostituierte - Verdächtiger festgenommen
Aus aller Welt

Im Fall der drei in Rom getöteten Prostituierten wurde ein 51 Jahre alter Italiener festgenommen. Er soll Medienberichten zufolge vorbestraft sein.

weiterlesen...

Neueste Artikel

Steigende Energiepreise machen Tierbestattungen teurer
Aus aller Welt

Nach dem Tod eines geliebten Haustieres entscheiden sich viele Besitzer, das Tier einäschern und bestatten zu lassen. Auch dort machen sich inzwischen Preissteigerungen bemerkbar.

weiterlesen...
Erste Münzen mit Charles-Porträt kommen in Umlauf
Aus aller Welt

Großbritannien hat einen neuen König und ab heute auch neues Münzgeld - Scheine sollen folgen. Nach und nach wird so das Geld mit dem Konterfei der Queen ersetzt.

weiterlesen...

Weitere Artikel derselben Kategorie

Steigende Energiepreise machen Tierbestattungen teurer
Aus aller Welt

Nach dem Tod eines geliebten Haustieres entscheiden sich viele Besitzer, das Tier einäschern und bestatten zu lassen. Auch dort machen sich inzwischen Preissteigerungen bemerkbar.

weiterlesen...
Erste Münzen mit Charles-Porträt kommen in Umlauf
Aus aller Welt

Großbritannien hat einen neuen König und ab heute auch neues Münzgeld - Scheine sollen folgen. Nach und nach wird so das Geld mit dem Konterfei der Queen ersetzt.

weiterlesen...