2. Juni 2021 / Hilfe und Beratung

So arbeitet der Sozialpsychiatrische Dienst

Hilfe in Krisenzeiten

Die Corona-Pandemie ist für viele Menschen eine Belastung: Finanziell, sozial und vor allem auch psychisch. Der Sozialpsychiatrische Dienst (SpD) des Kreises Herford bietet psychisch Erkrankten und Menschen in akuten Krisen Hilfe und ein offenes Ohr. Die neue Abteilungsleitung des Sozialpsychiatrischen Dienstes, Dr. Claudia Werk, und die Psychiatrie- und Suchtkoordinatorin Michaela Rolf möchten auf die Angebote des Sozialpsychiatrischen Dienstes aufmerksam machen.

Ängste, Depressionen, Burn-out, Suchterkrankungen, Suizidgedanken, Traumata, Gewalt, Trennungen sowie akute Krisen bei erstmals auftretenden oder chronisch verlaufenden psychischen Erkrankungen: Das sind alles Gründe, warum sich Betroffene an den Sozialpsychiatrischen Dienst wenden. Häufig sind es jedoch auch Angehörige, Freund*innen, Nachbar*innen oder Arbeitgeber*innen, die auffällige oder besorgniserregende Verhaltensänderungen an den Betroffenen wahrnehmen und anrufen.

Der Sozialpsychiatrische Dienst berät, bietet Gespräche in der Dienststelle und auch Hausbesuche an. Wenn nötig begleitet er die Betroffenen bis hin zu einer stationären Behandlung in entsprechenden Einrichtungen. Rund 9000 Gespräche führt der SpD jährlich. Die Dauer der Gespräche variiert – Je schwerwiegender die Belastungen sind, desto intensiver ist die Begleitung. Wenn akute Selbst- oder Fremdgefährdung vorliegt, dauern die Kriseneinsätze zum Teil mehrere Stunden. Viele Betroffene werden über Jahre bis hin zu Jahrzehnten, mit mehr oder weniger langen Kontaktunterbrechungen begleitet.

Das Krisentelefon des Sozialpsychiatrischen Dienstes ist in der Woche von Montag bis Donnerstag von 08:30 bis 17:00 Uhr, freitags von 08:30 bis 20 Uhr sowie samstags, sonntags und an Feiertagen von 12 bis 20 Uhr unter der Telefonnummer 05221 13 1608 erreichbar. Die Beratung des Sozialpsychiatrischen Dienstes ist kostenfrei und vertraulich. Die Gespräche unterliegen der Schweigepflicht.

Neben der individuellen Unterstützung bietet der SpD die Teilnahme an unterschiedlichen Gruppen an. Diese Gruppen dienen zum Austausch der Betroffenen: Beispielsweise gibt es eine Gruppe für Psychose-erfahrene Menschen aber auch eine Gruppe für Angehörige von Menschen mit psychischen Erkrankungen. In Planung ist zudem eine Gruppe für psychisch erkranke Eltern. »Pandemiebedingt müssen die Gruppenangebote derzeit leider pausieren. Umso wichtiger ist es, das persönliche Gesprächs- und das Telefonangebot noch bekannter zu machen, um den Menschen im Kreisgebiet einen kompetenten Ansprechpartner in Krisenzeiten zu bieten«, so Sozialdezernent Norbert Burmann.

Insgesamt besteht das Team des Sozialpsychiatrischen Dienstes aus 11 Mitarbeitenden aus den Fachbereichen Psychiatrie und Psychotherapie, Psychologie, Sozialarbeit und Sozialpädagogik, Krankenpflege und Verwaltung. Das Team ist regional organisiert, sodass in den Städten und Gemeinden des Kreises jederzeit eine Beratung angeboten werden kann.

Dr. Claudia Werk ist seit Februar 2021 die neue Abteilungsleitung des Sozialpsychiatrischen Dienstes des Gesundheitsamtes. »Die Gemeindepsychiatrie, also die Arbeit in Städten und Gemeinden ist aus meiner Sicht die vielfältigste und zugleich schönste Herausforderung im psychiatrischen Arbeitsbereich«, so die Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie. Bereits 1999 war sie während ihrer Weiterbildungszeit beim Sozialpsychiatrischen Dienst Herford tätig und kehrte 2005 als Fachärztin zurück zum Kreis.

Die vielen Veränderungen und Einschränkungen, die die Corona-Pandemie mit sich bringt, haben Einfluss auf die Arbeit des SpD. Denn insbesondere für psychisch labile Menschen seien die letzten Monate nicht einfach gewesen. »Die Nachfrage nach therapeutischer Hilfe steigt – dabei sind die psychischen Folgen, die die Pandemie mit sich bringt, noch nicht vollständig erkennbar«, erläutert Werk. Die Pandemie löse bei vielen ein Gefühl von Ohnmacht, Hilflosigkeit und Kontrollverlust aus. Wie stark jemand daran leide oder erkranke, hänge von der psychischen Widerstandskraft jedes Einzelnen ab. Bei anhaltenden psychischen Problemen sei es ratsam, frühzeitig Hilfe in Anspruch zu nehmen, um eine Erkrankung möglichst zu vermeiden.

Dem pflichtet auch Michaela Rolf, Psychiatrie- und Suchtkoordinatorin des Sozialpsychiatrischen Dienstes bei. »Wir möchten die Zeiten des Krisentelefons noch weiter ausweiten. Ziel ist es, an 365 Tagen im Jahr als Ansprechpartner für die Bürgerinnen und Bürger da zu sein«, so Rolf. Seit April 2020 besteht das Angebot des Krisentelefons auch am Wochenende und an Feiertagen wieder - und die Zahl der Anrufe steigt seitdem kontinuierlich an. »Der Krisendienst ist ein sehr wichtiger Baustein in der psycho-sozialen Versorgung für Bürgerinnen und Bürger im Kreis Herford«, erklärt Rolf weiter.

Der Sozialpsychiatrische Dienst ist jedoch nicht nur Ansprechpartner für Bürger*innen, sondern auch für Polizei, Feuerwehr, andere Behörden und Institution wie das Jugendamt oder das Jobcenter. Diese nutzen das Expert*innenwissen, um einschätzen zu können, ob bei kritischen Einsätzen psychiatrische Hilfen nötig sind. Zudem ist für die bestmögliche Krisenbetreuung eine enge Zusammenarbeit mit den Kliniken, den niedergelassenen Fach- und Hausärzt*innen und Psychotherapeut*innen nötig. Gegebenenfalls werden den Betroffenen weitere Ansprechpartner*innen und Anlaufstellen zur individuellen Krisenbewältigung vermittelt.

Quelle und Bild: ©Kreis Herford

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